Hier stellt die Guxhagener Katzenhilfe Geschichten rund um die Katze vor. Beobachtet und niedergeschrieben wurden diese Geschichten von Dieter Büchling.

Flic und Flac, die Bumerangs.

Flic - die Ulknudel

Eigentlich wollte ich, der Flic, nicht über mich und meinen Zwillingsbruder Flac eine Geschichte erzählen. Doch die Ereignisse der letzten Wochen hat mich beflügelt, doch unsere Geschichte zu erzählen.
Es waren schon die kälteren Tage des letzten Sommers, als wir mit unseren Geschwistern das Licht der Welt erblickten. Insgesamt waren wir vier Geschwister, von denen wir beide, Flic und Flac, bei der Umsetzung aus unserm Wurfnest in ein anderes Versteck in einem Reiterhof zurückgelassen wurden. Ob unsere Mutter uns absichtlich dort gelassen oder uns vergessen hat, können wir nicht genau sagen, weil wir nicht wissen, wo sie abgeblieben ist.
Na ja, irgendwie mussten wir uns bemerkbar machen, denn wir hatten einen Bärenhunger. Und so fingen wir an laut zu schreien. Das Einzige, was wir auf unser Schreien hörten, war das Schnaufen und Scharren der Pferde. Ganz vorsichtig beugte ich mich über den Rand der Bohlen, die dem Boden zwischen Stall und Tenne (Boden) trennten und was ich da sah, trieb meinen Hunger noch mehr an. Als ich meinem Bruder berichtete, dass die Pferde zu Fressen und zu Saufen hatten, fing er noch lauter an zu schreien und ich stimmte in das Klagelied des Hungers mit ein.
Es war schon dunkel geworden und die Kühle des Abends machte sich auch im Stall breit, da hörten wir menschliche Stimmen und sofort stimmten wir wieder das Klagelied des Hungers an. Wir schrieen uns die Seele aus dem Leib – ich war schon ganz heiser und Flac rang neben mir nach Luft. Wir blickten uns an, Flac nickte und so schrieen wir weiter, in der Hoffnung, dass wir gehört würden. Erneut blickte ich über den Bodenrand und da sah ich zwei junge Frauen direkt unter uns stehen. Ich wen-dete mich zu Flac hin und erzählte ihm, was ich gesehen hatte. Wir schauten uns an, nickten und stimmten erneut das Lied des Hungers an. Und dieses Mal hatten wir Erfolg – wir wurden entdeckt.

Flic und Flac als Babys

Die beiden jungen Frauen erkannten sofort unsere Notlage. Da wir nur die gute Muttermilch gewohnt und noch zu klein waren, um feste Nahrung zu uns zu nehmen, musste schnell gehandelt werden. Die beiden telefonierten und nach einiger Zeit mussten sie wohl fündig geworden sein. Jedenfalls packten sie uns in einen Karton und ab ging die Fahrt hinein in die stockdunkle Nacht. Uns wurde dabei angst und bange bei dem Gedanken an unsere Zukunft und unseren leeren Magen. Abrupt stoppte der Wagen und wir hörten nur, wie die eine Frau zur anderen Frau sagte, da ist es! Sie nahmen die Kiste mit uns beiden Katzenbabys und übergaben uns an eine Frau, die bereits auf uns wartete. Unsere einzigen Gedanken waren, hoffentlich gibt es jetzt was zu trinken. Die Frau gab uns ein Fläschchen und wir hauten rein wie die Kesselflicker. Als das Fläschchen leer war, bekamen wir noch unsere Bäuchlein gestreichelt und mit einem satten Rülpser schliefen wir ein. Diese Prozedur wiederholte sich die folgenden 20 Tage alle 4 Stunden. Die Zeitabstände zwischen den Mahlzei-ten vergrößerten sich. Zuerst waren wir nicht damit einverstanden und Flac bestand genauso wie ich auf den 4 Stundenrhythmus. Doch dann mussten wir feststellen, dass wir sehr gut verpflegt wurden. Und so wurden wir größer und größer.
Dann kam der Tag, an dem wieder eine junge Frau in unser Leben trat. Sie sprach davon, dass sie uns gut versorgen wolle. Schnell waren sich die junge Frau und unsere Ersatzmutter einig und wir mussten umziehen. Jedenfalls kann ich Euch berichten, dass wir von einem großzügig eingerichteten Haus mit Hunden und Katzen in eine kleine Chaoswohnung umgezogen waren. Da ging es laut her. Die Menschen schrieen sich an und wir bekamen nur noch unregelmäßig unsere Mahlzeiten. Und so beschlossen wir, die Wohnung kräftig aufzumischen. Schelte und Entzug von Streicheleinheiten sowie Schmusen war angesagt. Wir waren der Meinung, dass wir das jetzt durchziehen müssen, denn wir hatten gehört, wie die Frau, bei der wir als Flaschenkinder waren, sagte, wenn es Schwierigkeiten gibt, holt sie uns zurück. Flac war der Meinung, dass wir jetzt die Zähne aufeinanderbeißen müssten, damit wir unseren Willen durchsetzen konnten.
Also spielten wir in der kleinen Wohnung Achterbahn. Die Vorhänge holten wir herun-ter und verteilten Zeitungen und den Blumenstrauß im Wohnzimmer. Kratzten den Sand aus dem Katzenklo. Jedenfalls hatten wir mit unserer Aktion Erfolg – unsere Pflegemutter holte uns ab und bald waren wir wieder in dem großzügig eingerichteten Haus mit Hunden und Katzen. Da fühlten wir uns wohl und da wollen wir vorerst bleiben. Der Empfang war wohl nicht so berauschend, die anderen Tiere begrüßten uns mit hallo, da kommen die Bumerangs, da kommen Flic und Flac.
Übrigens, zum besseren Verständnis, der Bumerang ist in erster Linie durch die Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, bekannt geworden. Der Bumerang als Jagdwaffe kehrt nach der Verfehlung des Ziels wieder zurück. Der Vergleich mit einem krummen Stück Holz hatten wir, Flic und Flac nicht verdient. Doch musste ich feststellen, dass wir zurückgekehrt sind, dort wo nicht unsere Wiege aber unsere Kinder-stube war. Von Luna, vom Stamm der Kromfohrländer, wurden wir beide herzlich willkommen geheißen. Charly der Chihuahuamixrüde bellte uns an und der alten Foxterrier-Mix-Hündin Gibsy war unser Kommen egal. Aber das kannten wir ja noch aus unserer Babyzeit. Ansonsten war alles beim Alten geblieben. Nur eins vermiss-ten wir, nach den Mahlzeiten wurde kein Bäuchlein gestreichelt. Doch konnten wir feststellen, wir sind wieder Zuhause und darum kann man irgendwie ein Zusammenhang mit einem Bumerang erkennen.
Nach einigen Wochen kamen dann fremde Menschen in unser Zuhause und wir wollten wissen warum. Heute meine ich, dass wir zu vorwitzig waren. Wir, der Flac und ich der Flic, schauten hinter einem Vorhang – der die Küche vom Wohnzimmer trennt – hervor. Und da war es um uns geschehen. Die fremden Menschen, die auch ihre Kinder dabei hatten, sprachen so etwas, wie toll wir wären. Wir passten genau in ihr Haus. Und so beschloss man, Flic und Flac müssen umziehen. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden, den Hunden und Katzen und traten die Übersiedlung in eine ungewisse Zukunft an.
Im neuen Zuhause angekommen, durften wir die ersten Tage nicht in den Garten. Zur Erkundung stand uns das Haus zur Verfügung. Wir machten auch vor nichts halt. Das konnten wir letzten Endes auch gar nicht, denn es lagen kaum Teppiche auf dem Laminatfußboden. Hier machte das Spielen richtig Spaß – wir spielten Fangen. Dabei rutschten wir über den blanken Boden. Dabei ging auch mal eine Dekoration zu Bruch, die uns im Wege stand.
Nach den sich wiederholenden Missgeschicken durften wir endlich in den Garten und in den angrenzenden Wald. Es war das Paradies auf Erden. Bis zu dem Tag, als der Mann, der uns immer die kalte Schulter zeigte und uns auch nie gestreichelt hatte, zu seiner Frau sprach, die beiden Katzen müssen weg – seit Tagen liegen Mäuse auf der Terrasse. Dabei hatten wir gedacht, dass wir von unseren Streifzügen ein Dankeschön als Geschenk mitbringen sollten. Dass der bullige Mensch das verkehrt ver-stehen würde, hatten wir nicht gedacht. Und er wiederholte seine Forderung Tag für Tag, bis seine Frau einwilligte. In dieser Zeit mussten wir auch zur Tierärztin, die uns unserer Männlichkeit beraubte, aber so richtig erinnern können wir uns nicht. Warum und weswegen dieser Eingriff vorgenommen wurde, können wir nicht nachvollziehen – uns fehlt dazu die entsprechende
medizinische Ausbildung. So verspürten wir mehrere Tage nur Schmerzen zwischen den Beinen. Doch wir konnten niemanden fragen, der uns eine Antwort geben konnte. Und so hofften wir, dass wir weiter in dem Paradies bleiben konnten.
Doch allen Hoffnungen zum Trotz, wir mussten gehen. Wir wurden von einer netten jungen Frau abgeholt. Sie nahm uns mit in ihre kleine Wohnung und da war Bodo, der Dackel-Schäferhundmix. Der stürzte sich gleich auf uns und wollte uns zum Spie-len auffordern. Doch diese Art gefiel uns nicht und wir zeigten ihm unsere Pfoten. Wir hauten ihm die Krallen in die Nase. Ein lautes Aufheulen, danach ein Winseln und dann das Wimmern, das ihn zu einer traurigen Figur machte. Und so trieben wir es einige Tage bis unsere Ziehmutter auftauchte. Sie packte uns in den mitgebrachten Transportkorb und ab ging’s. Wir hofften, dass es zurück in unser Zuhause ging zu Luna, die Kromfohrländerin, zu Charly der Chihuahuamixrüde, zu Gibsy der alten Terriermixhündin und den vielen Katzen. Und da war dann wieder der Geruch – die Heimatluft und als wir in die Einfahrt fuhren, da wussten wir, hier fühlten wir uns wohl und da wollen wir vorerst wieder bleiben. Der Empfang war diesmal berauschend. Da standen Luna, die Kromfohrländerin, Charly der Chihuahuamixrüde, Gibsy die alte Terriermixhündin und die anderen Tiere und begrüßten uns mit einem lauten hallo. Und wieder riefen sie, da kommen die Bumerangs, da kommen Flic und Flac. Doch unser Ziehmutter dämpfte unsere Freude als sie ihren Willkommensgruß mit den Worten – Bäuchleinstreichen passe – beendete.

Flic an der Kuchenplatte und was für eine Gesichte damit verbunden ist, erzähle ich demnächst.

 
Februar 2012
M D M D F S S
« Jan    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829