Haus- und Kleintierbörse in Borken.
Schwalm-Eder. Die erste Haus- und Kleintierbörse im Schwalm-Eder-Kreis wird wohl auch die Letzte sein. Nach massiver Kritik von Tierschützern und zahlreichen Verstößen gegen die amtlichen Auflagen hat der Ausrichter, die Messe Borken GmbH, angekündigt keine weiteren Veranstaltungen dieser Art mehr organisieren zu wollen. Damit kommt deren Geschäftsführer, Richard Rode, dem Kreisveterinäramt zuvor, das inzwischen Zweifel daran äußert, ob die zuvor dauerhaft an Rode erteilte Erlaubnis für die Ausrichtung einer Haus- und Kleintierbörse unter den gegebenen Umständen Bestand gehabt hätte.
Fehlende Impfpapiere
Begründet wird dies von Amtstierarzt Dr. Dirk Kusan mit zahlreichen Verstößen gegen die Börsenordnung, die von den Kreisveterinären vor Ort festgestellt wurden. „Eigentlich“, so Kusan, „ist der Veranstalter selbst dafür verantwortlich die Einhaltung der Tierschutzgesetze zu kontrollieren.“ In diesem Fall sei dies aber nur „sehr begrenzt“ geschehen. So konnten Besucher zu nah an die Käfige.
bemängelt Kusan, dass nicht alle Verkäufer auf dem Gelände des Alten Kraftwerks in Borken für die von ihnen angebotenen Kaninchen und Hühner die vorgeschriebenen Impfpapiere vorlegen konnten. Die Folge: Ungefähr die Hälfte der Verkäufer wurde von den Tierärzten sofort wieder nach Hause geschickt. Außerdem seien viele Tiere unnötigem Stress ausgesetzt gewesen, weil die Besucher unmittelbar an die kleinen Käfige ohne Rückzugsraum herantreten und sogar in diese hineingreifen konnten.
Ferner, so Kusan, habe der Veranstalter, trotz eines ensprechenden Verbots wegen möglicher Krankheitsübertragung, nicht verhindert, dass Messe-Besucher mit ihren eigenen Hunden auf das Ausstellungsgelände gelangt seien. Auch hier hätten die Amtstierärzte einschreiten müssen. Dies alles unter den Augen von Vertretern verschiedener Tierschutzvereine aus dem Kreis, die nach eigenen Angaben gekommen waren um die von ihnen bereits im Vorfeld kritisierte Messe zu beobachten. „Solche Messen sind Ausdruck einer Geiz-ist-geil-Mentalität bei der Tiere als Schnäppchen im Vorübergehen gekauft werden“, erklärt Dieter Büchling von der Katzenhilfe aus Guxhagen die ablehnende Haltung der Tierschützer und begrüßt das Vorgehen des Veterinäramtes. Auch Amtstierarzt Kusan macht keinen Hehl aus seiner Haltung: „Ich persönlich halte von solchen Tierbörsen nichts.“ Interessierte sollten sich besser direkt an Züchter wenden, da dort eine fachkundige Beratung möglich sei.
Mittel und Wege gefunden
Veranstalter Rode indes sieht sich als Opfer voreingenommener Behörden. „Man mir schon vor der Eröffnung der Börse zu verstehen gegeben, dass die Veranstaltung unerwünscht ist“, so berichtet er, „und dann haben die Behörden Mittel und Wege gefunden.“ So seien die Auflagen seiner Ansicht nach „die strengsten in ganz Deutschland“ gewesen. Deshalb hätten viele Aussteller bereits im Vorfeld abgewinkt. Rode selbst hätte sich gewünscht, „dass erst einmal ein Auge zugedrückt worden wäre“. Im nächsten Jahr hätte man dann aus den Fehlern lernen können. Angesichts des wirtschaftlichen Schadens der ihm entstanden sei, so Rode, wolle er jetzt die Finger von Tierbörsen lassen. Zumal er, wie er betont, anonyme Drohungen erhalten habe.




