Haus- und Kleintierbörse in Borken.

Mit dem Rückgang der Landwirtschaft gibt es so gut wie keine Hüte- oder Hofhunde mehr. Katzen und Hunde sind zu reinen Schmusetieren geworden.
In der Beziehung zwischen Mensch und Tier seien zwei Entwicklungen zu beobachten: Die einen sehen Tiere als Ersatz für Kinder oder Familie und sind der Meinung, Tiere seien die besseren Menschen.
Die andere Entwicklung sehen die Tierschutzorganisationen in der «Geiz-ist-geil»-Mentalität begründet. Tiere werden als Schnäppchen im Vorübergehen, nicht nur auf Märkten im osteuropäischen Ausland oder im Internet verkauft, sondern jetzt immer häufiger auch bei uns in Deutschland. So auch am vergangenen Wochenende in Borken. Dort fand zum ersten Mal eine Haus- und
Kleintierbörse statt. Die, die dort ein Tier erwarben, dachten weniger an die Folgekosten oder ob man sich ein Haustier leisten können. Viele Tiere landen später im Tierheim oder bei den Tierschutzvereinen der Region. Die Anderen, also das Geflügel, landet dann im Kochtopf.
Soweit, so gut. Doch was die Vertreter der anwesenden Tierschutzvereine dort erleben mussten, entsprach nicht der Börsenordnung des Veranstalters und wurde zu Recht von den anwesenden Veterinären beanstandet. In zu engen Käfigen wurde Geflügel aller Arten angeboten. In einer Legehennenbatterie ist die Bewegungsfreiheit zum Teil größer als in den Käfigen, in denen Hühner zum Kauf an-geboten wurden. Wasserbehälter und Rückzugsmöglichkeiten fehlten z. T. völlig. Ebenso Absperrungen vor den Käfigen, so dass die Besucher die Tiere anfassen konnten. Ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
Aufgrund verschiedener Verstöße gegen die Auflagen mussten über die Hälfte der Aussteller gas Gelände umgehend auf Anordnung der Veterinäre verlassen. Hunde wurden ebenfalls angeboten und zwar mehrere in einem Käfig. Trotz Untersagung, nahmen Besucher ihre Hunde mit auf das Ausstellungsgelände, was als ein gewisses Gefahrenpotential einzustufen war. Durch die anwesenden Tierschutzvereine der Region wurden die Halter belehrt.

 

Von den anwesenden Tierschutzvereinen, TSV Homberg – Borken, Tiernothilfe Schwalmstadt, Guxhagener Katzenhilfe, Ein Heim für Tiere – Tierheim Beuern und der Bund gegen Missbrauch der Tiere wurde die Börse kritisch beobachtet und abgelehnt, da die angebotenen Tiere einem zu hohen Stressfaktor ausge-setzt waren und teilweise auch nicht die nötigen Papiere – Stammbaum und Impfpass – vorlagen.

Hier ist der Gesetzgeber gefragt, der nicht nur solche Börsen sondern auch den Verkauf von Tieren in Großmärkten verbieten sollte. Gelegenheiten ein Heim- oder Haustier zu erwerben gibt es bei den vielen Geflügel-, Hasen- und Kaninchenaus- stellungen oder bei den Tierschutzvereinen der Region.
 
Was nun gar nichts mit der Börse zu tun hatte war ein Trödlerladen, der u. a. Geweihe und Pelzmäntel zum Kauf anbot – geschmacklos.
 
 

Das schreibt die Presse:

Aus für Tierbörse

Andreas Bernhard am 26/04/2011 – Heimatnachrichten

Schwalm-Eder. Die erste Haus- und Kleintierbörse im Schwalm-Eder-Kreis wird wohl auch die Letzte sein. Nach massiver Kritik von Tierschützern und zahlreichen Verstößen gegen die amtlichen Auflagen hat der Ausrichter, die Messe Borken GmbH, angekündigt keine weiteren Veranstaltungen dieser Art mehr organisieren zu wollen. Damit kommt deren Geschäftsführer, Richard Rode, dem Kreisveterinäramt zuvor, das inzwischen Zweifel daran äußert, ob die zuvor dauerhaft an Rode erteilte Erlaubnis für die Ausrichtung einer Haus- und Kleintierbörse unter den gegebenen Umständen Bestand gehabt hätte.

Fehlende Impfpapiere

Begründet wird dies von Amtstierarzt Dr. Dirk Kusan mit zahlreichen Verstößen gegen die Börsenordnung, die von den Kreisveterinären vor Ort festgestellt wurden. „Eigentlich“, so Kusan, „ist der Veranstalter selbst dafür verantwortlich die Einhaltung der Tierschutzgesetze zu kontrollieren.“ In diesem Fall sei dies aber nur „sehr begrenzt“ geschehen. So konnten Besucher zu nah an die Käfige.

bemängelt Kusan, dass nicht alle Verkäufer auf dem Gelände des Alten Kraftwerks in Borken für die von ihnen angebotenen Kaninchen und Hühner die vorgeschriebenen Impfpapiere vorlegen konnten. Die Folge: Ungefähr die Hälfte der Verkäufer wurde von den Tierärzten sofort wieder nach Hause geschickt. Außerdem seien viele Tiere unnötigem Stress ausgesetzt gewesen, weil die Besucher unmittelbar an die kleinen Käfige ohne Rückzugsraum herantreten und sogar in diese hineingreifen konnten.

Ferner, so Kusan, habe der Veranstalter, trotz eines ensprechenden Verbots wegen möglicher Krankheitsübertragung, nicht verhindert, dass Messe-Besucher mit ihren eigenen Hunden auf das Ausstellungsgelände gelangt seien. Auch hier hätten die Amtstierärzte einschreiten müssen. Dies alles unter den Augen von Vertretern verschiedener Tierschutzvereine aus dem Kreis, die nach eigenen Angaben gekommen waren um die von ihnen bereits im Vorfeld kritisierte Messe zu beobachten. „Solche Messen sind Ausdruck einer Geiz-ist-geil-Mentalität bei der Tiere als Schnäppchen im Vorübergehen gekauft werden“, erklärt Dieter Büchling von der Katzenhilfe aus Guxhagen die ablehnende Haltung der Tierschützer und begrüßt das Vorgehen des Veterinäramtes. Auch Amtstierarzt Kusan macht keinen Hehl aus seiner Haltung: „Ich persönlich halte von solchen Tierbörsen nichts.“ Interessierte sollten sich besser direkt an Züchter wenden, da dort eine fachkundige Beratung möglich sei.

Mittel und Wege gefunden

Veranstalter Rode indes sieht sich als Opfer voreingenommener Behörden. „Man mir schon vor der Eröffnung der Börse zu verstehen gegeben, dass die Veranstaltung unerwünscht ist“, so berichtet er, „und dann haben die Behörden Mittel und Wege gefunden.“ So seien die Auflagen seiner Ansicht nach „die strengsten in ganz Deutschland“ gewesen. Deshalb hätten viele Aussteller bereits im Vorfeld abgewinkt. Rode selbst hätte sich gewünscht, „dass erst einmal ein Auge zugedrückt worden wäre“. Im nächsten Jahr hätte man dann aus den Fehlern lernen können. Angesichts des wirtschaftlichen Schadens der ihm entstanden sei, so Rode, wolle er jetzt die Finger von Tierbörsen lassen. Zumal er, wie er betont, anonyme Drohungen erhalten habe.